Kurze Geschichte der HSS Innsbruck

Die Innsbrucker Universitätsklinik für Oto-Laryngologie wurde im Jahr 1894 eröffnet. Der erste Inhaber des Innsbrucker Lehrstuhls für  Otiatrie und Laryngologie war Georg JUFFINGER;  zunächst als Honorardozent (1893), anschließend als außerordentlicher Professor (1893 - 1911)  und ab 1911 als ordentlicher Professor. Juffinger, der bis zu seinem Tod 1914 die Klinik leitete,  steht allerdings mit der Phoniatrie und (Päd)Audiologie noch in keinem wesentlichen Zusammenhang.

Die Geschichte der HSS im engeren Sinn beginnt unter Prof. Ludwig HÖRBST, der von 1945 bis 1974 Vorstand der Innsbrucker HNO-Klinik war. Er richtete 1948 eine stimm- und sprachheilkundliche Abteilung ein und holte die erste Logopädin an die Klinik. Diese Abteilung bildet eine Wurzel der HSS.

Die zweite Wurzel bildet die pädaudiologische Abteilung, die 1962 eingerichtet wurde. Sie ging auf die Initiative des damaligen Dozenten Walter SCHLORHAUFER zurück, der  sich bereits in den 1950er Jahren um die bessere Betreuung hörgestörter Kinder bemühte. Schlorhaufer befasste sich u.a. mit audiometrischen Untersuchungen an taubstummen Kindern und wurde mit seiner Arbeit über "Die Motorik der Taubstummen" 1958 habilitiert. Die Pädaudiologie blieb zeitlebens einer seiner Arbeitsschwerpunkte. Daneben befasste er sich auch mit Stimm- und Sprachstörungen und generell mit der Sprache als dem wichtigsten Mittel der zwischenmenschlichen Kommunikation und mit ihrer Pathologie.

Im  Jahr 1968 wurde an der Innsbrucker HNO-Klinik der erste deutschsprachige Lehrstuhl für Audiologie und Phoniatrie eingerichtet und Walter Schlorhaufer zum ersten Ordinarius berufen.

Im Jahr 1974 wurde die Univ.-Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen (HSS-Klinik) an der Innsbrucker Medizinischen Fakultät errichtet. Sie gliederte die stimm- und sprachheilkundliche Abteilung und die pädaudiologische Abteilung (mitsamt den audiologischen Einrichtungen) aus der HNO-Klinik aus und vereinte sie unter dem Status einer selbständigen Klinik. Ihr zugeordnet war die Lehrkanzel für Audiologie und Phoniatrie; Prof. Schlorhaufer war der erste Vorstand der Klinik.

Die HSS-Klinik verblieb im HNO-Gebäude; es waren ihr zunächst 15 Betten zugeteilt, die später im Zuge von Umstrukturierungen auf 10 Betten reduziert wurden. Ihr klinischer Arbeitsbereich umfasste die Hör-, Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf der Pädaudiologie, hier wiederum auf der Früherkennung, apparativen Versorgung und (sprachlichen) Förderung hörgestörter Kinder. In diesem Zusammenhang wurde 1995 das allgemeine Neugeborenen-Hörscreening am Innsbrucker Klinikum implementiert. Das umfangreiche Arbeitsgebiet wie die stetig steigenden Patientenzahlen brachten es mit sich, dass auch der Mitarbeiterstab der Klinik stetig anstieg: er umfasste im Jahr 1991 – dem Jahr der Emeritierung Schlorhaufers -  bereits 16 Personen aus den Berufsgruppen der Ärzte, Logopäden, Psychologen, Physiker, Techniker, Pflege- und administratives Personal.

Nach der Emeritierung Prof. Schlorhaufers 1991 übernahm dieser selbst die supplierende Leitung der Klinik bis 1994; anschließend war die Oberärztin Doris NEKAHM bis 1996 damit beauftragt.

Bereits 1990 war seitens der Medizinischen Fakultät die Umstrukturierung der HNO-Klinik und der HSS-Klinik beschlossen worden. 1996 wurde der Beschluss umgesetzt: die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und die Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen wurden zusammengelegt. Sie bilden seither zwei klinische Abteilungen an der Univ.-Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Mit 1.12.1996 trat Patrick G. ZOROWKA die Nachfolge Schlorhaufers als Ordinarius für HNO-Heilkunde mit besonderer Berücksichtigung der Phoniatrie an und übernahm die Leitung der HSS-Abteilung. Zorowka  hatte seine fachliche Ausbildung an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg bei Prof. H. Jakobi absolviert und war 1993 für die Fächer HNO und Phoniatrie und Audiologie habilitiert worden. Einen zeitgleich ergangenen Ruf an die Universitätsklinik Hamburg lehnte er ab und entschied sich für das Innsbrucker Ordinariat.

Obwohl hier der Status einer Universitätsklinik verloren gegangen war, wurden unter Prof. Zorowka alle Aufgabenbereiche der HSS weitergeführt und teilweise noch ausgebaut. Insbesonders wurde eine verbesserte räumliche und technische Ausstattung der Abteilung erreicht (u.a. die Einrichtung einer Camera silenta für die (psycho-)akustische Forschung). Auch die Zahl der Mitarbeiter konnte innerhalb der letzten 10 Jahre (2006) auf fast 40 gesteigert werden.  Die Klinische Abteilung für Hör- Stimm- und Sprachstörungen in Innsbruck  ist damit – sowohl hinsichtlich des klinischen Spektrums als auch des Mitarbeiterstabs - die gegenwärtig größte phoniatrische Einrichtung Österreichs.

                                                                  zurück